• Thank you 2020!

    31.12.2019

    Es ist Silvester, wir sind kurz vor einem neuen Jahrzehnt. „Das wird mein Jahr“, liest man überall auf den Sozialen Medien. Gefühlt jeder zweite hat große Pläne für 2020 und die Postings sprießen nur so vor positiver Energie und Tatendrang. Auch ich freue mich auf das neue Jahr. Ich habe Pläne, Ziele, ich möchte endlich mein Studium beenden und kann es kaum abwarten zu sehen, was das neue Jahr zu bieten hat.
    Der Beginn eines neuen Jahrzehnts scheint für viele eine neue Chance zu sein.

    00:00 – Ich falle JJ um den Hals und wir küssen uns. Ich bin so froh, dass wir gemeinsam ins neue Jahr feiern können. Ein neues Jahr, was für uns viele Möglichkeiten bereit hält. Auch wenn wir uns in ein paar Tagen verabschieden müssen, weiß ich, dass wir uns spätestens im April wiedersehen, denn dann kommt er nach Deutschland.

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    2020, ich weiß nicht wie man dieses Jahr beschreiben soll und doch ist es ein Jahr, über das man gleichzeitig so wahnsinnig viel schreiben kann.
    Wenn ich es mit einem Wort beschreiben müsste, wäre es wahrscheinlich „unvorhersehbar“. Wer hätte schon im Januar damit gerechnet, was uns dieses Jahr alles passieren würde? Eine Pandemie, etwas, wo wir wahrscheinlich alle nie geglaubt hätten, dass wir das einmal miterleben würden.
    Kein Jahr hat mich bis jetzt so gefordert und doch kann ich sagen, dass ich verdammt Glück habe und es unzählige Menschen da draußen gibt, die es viel schlimmer getroffen hat als mich. Aber wir haben schließlich jeder unser eigenes Päckchen, dass wir mit uns tragen und egal wie deine Situation dieses Jahr war, auch du darfst Ängste und Sorgen haben.


    2020 hat mich einiges gelehrt, zum Beispiel, dass ich wirklich sehr gut alleine sein kann und das auch in vollen Zügen genieße. Natürlich vermisse ich meine Freunde, gemeinsame Abende und Umarmungen, aber ich habe mich dieses Jahr sehr auf mich selbst konzentrieren können und habe Zeit gehabt für Dinge, die ich schon lange vor mir her geschoben habe.
    Abgesehen davon, ob du dieses Jahr etwas tolles erreicht hast oder nicht, kann jeder einzelne von uns stolz auf sich sein. Wir sind hier, wir leben und wir haben es bis hierhin geschafft. Das ist alles, was es dieses Jahr zu erreichen galt. Und das war teilweise schwer genug. Wahrscheinlich hatte jeder von uns seine Hochs und Tiefs zu einem anderen Zeitpunkt, aber wir sind uns sicherlich einig: Das Jahr war eine Achterbahnfahrt. Ich habe in meinem Familien- und Freundeskreis gemerkt, wie unterschiedlich Menschen mit dieser Situation umgehen. Ich habe auch gemerkt, wer wirklich wahre Freunde sind und welche Freundschaften es vielleicht nur gab, weil man sich bei der Arbeit oder in der Uni gesehen hat.
    Ich gehöre zu denen, die ihre Kontakte fast komplett auf Online Dates und Textnachrichten beschränkt hat und spätestens wenn man Freunde hat, die Corona nicht ganz so ernst nehmen zeigt sich, ob die Freundschaft echt ist oder nicht.
    2020 hat mich gelehrt, geduldig zu sein, denn anstatt JJ nach drei Monaten wiederzusehen wurden daraus knapp acht. Das war für mich auch mit die schlimmste Zeit, nicht zu wissen, wann man seinen Partner wiedersehen wird, wie lange es noch dauert, kein Ende in Sicht zu sehen. Ich habe viele Nächte geweint und wenn ich nicht den Entschluss gefasst hätte mich über Umwege auf den Weg in die USA zu machen, dann würde ich wahrscheinlich immer noch weinen.
    Diese lange Zeit die JJ und ich nun voneinander getrennt waren, hat uns aber auch unheimlich stark gemacht. Ich war mir noch nie so sicher jemanden zu lieben, wie ich es jetzt bin. Der schlimmste Moment dieses Jahr war für mich die unzähligen Nächte ohne ihn, ohne einen Countdown zu haben bis man sich weitersieht und der schönste Moment das Wiedersehen mitten in der Wüste. Ich habe glaube ich noch nie so viel riskiert, wie während einer Pandemie durch die Weltgeschichte zu reisen, 16 Tage alleine in der Türkei zu verbringen und das alles für die Liebe. So hatte ich mir meine erste lange Solo-Reise übrigens nicht vorgestellt. Aber wie bereits gesagt: 2020 war unvorhersehbar.

    Ich erinnere mich an einen Nachmittag Anfang 2020 bei Esra auf der Couch. Zu diesem Zeitpunkt war von keinem Corona Fall in Deutschland die Rede, das Virus gab es nur in China. Und wir beide haben uns ausgemalt was passieren würde, wenn die Krankheit auch hier bei uns ausbrechen würde. Wir haben so viel darüber geredet, dass wir tatsächlich Panik bekommen haben und haben dann versucht uns einzureden, dass wir einfach übertreiben und das eh nie passieren wird.

    Little did we know, ich würde mal sagen wir hatten da ein ziemlich intensives Bauchgefühl, was sich leider bewahrheiten sollte. Wie sehr das Ganze unser Leben beeinflussen würde, das haben wir uns da aber nicht ansatzweise vorstellen können.

    Wenn du das Jahr 2020 absolut schrecklich fandest, dann darfst du das! Wenn du 2020 an dir selbst gewachsen bist und stolz darauf bist, dann darfst du das. Jeder hat dieses Jahr anders erlebt und anders verarbeitet.

    Ich für meinen Teil, habe unendlich viel gelernt und mich selbst nochmal von einer anderen Seite kennengelernt. Ich habe meine Kreativität in vielen Wegen ausgelebt, zuhause mit Make Up und Videos experimentiert und meine Liebe für Home Workouts entdeckt. Natürlich war auch mein Jahr nicht nur rosig und ich hatte viele viele Probleme und Ängste, aber heute kann ich sagen, dass ich aus all dem gelernt habe und versuche, so scheiße dieses Jahr auch war, etwas gutes daraus zu ziehen. Wenn auch über Umwege, konnte ich drei Monate in Amerika verbringen und hatte dort eine unheimlich tolle und intensive Zeit. Ich habe gelernt geduldig zu sein und viele Dinge so zu nehmen wie sie kommen. Vieles, was mich 2020 bewegt und gelehrt hat, nehme ich mit ins neue Jahr.

    Ich bin ein anderer Mensch als der der ich im Januar 2020 noch war und ich danke dem Jahr für jede Lektion, die ich gelernt habe. Ich weiß Kleinigkeiten noch mehr zu schätzen, ich lebe mehr im hier und jetzt als je zuvor und hoffe, dass selbst wenn wieder Normalität einkehrt, ich diese Einstellung nie mehr vergesse.

    Das wichtigste was wir haben ist die Gesundheit und wenn du das liest und du und deine Liebsten wohl auf sind – dann hast du verdammt Glück und solltest das zu schätzen wissen.

    An alle, die dieses Jahr eine geliebte Person – vielleicht sogar an COVID-19 – verloren haben, möchte ich mein tiefstes Beileid aussprechen. Du bist nicht allein und ich wünsche mir für jeden von euch, von uns, dass das neue Jahr wieder mehr Freude mit sich bringt.

    Auf ein wundervolles neues Jahr, liebe Gemeinde!

    Eure Melina

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  • Kokosnuss Smoothie Bowl

    Hey meine liebste Gemeinde,

     

    ich wollte euch nur mal schnell ungefragt ein Rezept für eine meeega leckere sommerliche Smoothie Bowl da lassen!
    Mega easy und da ich selber kein Fan bin großartig Dinge nach Rezept zu kochen/zuzubereiten, versuche ich das für euch auch immer einfach zu gestalten!

    Man nehme also:

    • zwei Hände voll (gefrorener) Himbeeren
    • zwei Hände voll (gefrorener) Blaubeeren
    • 250ml Kokosmilch
    • 50g Frischkäse (trust me, schmeckt geil!)
    • ein bisschen Zitrone
    • optional: Proteinpulver Geschmack Vanille oder Kokos
    • Toppings nach Bedarf

     

    Alles bis auf die Toppings in den Mixer und fertig ist die Smoothie Bowl! Wenn ihr gefrorene Früchte nehmt, hat das ganze sogar etwas von einem Fruchteis! Ab und zu ersetze ich die Himbeeren auch durch Kirschen, generell kann man da natürlich variieren. Durch die Kokosmilch allerdings bekommt das ganze einen sommerlichen Touch und schmeckt super erfrischend!

    Momentan esse ich zum Frühstück fast ausschließlich Smoothie bowls und ich liiiebe es.

     

    Wünsche euch ganz viel Spaß beim ausprobieren.

     

    Liebe Grüße,

    Melina

     

  • To be continued..

    Meine liebe Gemeinde,

    ich weiß, es war nicht fair den letzten „December..“ Post so offen zu beenden und euch dazu auch noch so lange warten zu lassen.
    Deswegen sage ich euch jetzt endlich einfach so ohne lange drum herum zu reden, wieso plötzlich nichts mehr kommt:
    Ich habe beschlossen ein Buch zu schreiben.
    Ich habe schon lange lange lange darüber nachgedacht und nach euren Reaktionen und denen meiner Freunde und Familie, bin ich nun überzeugt, dass ich es wirklich machen sollte.
    Ich dachte immer, ich könnte nicht gut genug schreiben, es wäre zu langweilig oder sonstiges. Und dann habe ich mitbekommen, wie immer mehr junge Menschen den Mut haben Bücher zu schreiben und es auch wirklich MACHEN und nicht nur drüber nachdenken.

    Ich denke es ist auch für mich mal an der Zeit nicht nur zu träumen, sondern zu machen.

    Momentan haben wir nicht die Möglichkeiten in Buchhandlungen zu gehen und Büchern zu kaufen, weshalb ich mich dafür entschieden habe es als E-Book rauszubringen. Mein Traum wäre es natürlich, wenn ich das Buch in den Händen halten könnte und es in Buchhandlungen finden würde, aber wer weiß, vielleicht wird dieser Traum ja auch irgendwann wahr.
    Ich halte euch über Instagram auf dem Laufenden darüber, wann und wo ihr es bestellen könnt und ich hoffe, dass ihr euch genauso darauf freut wie ich.
    Das ist ein kleiner Traum der wahr wird, wenn auch erstmal nur digital.
    Das Buch enthält die bisherigen Blogposts, allerdings abgewandelt und teilweise ausführlicher und mit mehr Hintergrundinfos.
    Ich danke euch, dass ihr das überhaupt möglich macht mit eurem Interesse an meiner Geschichte und ich hoffe, ihr werdet dadurch in diesen schlimmen Zeiten etwas abgelenkt und könnt euch in eine andere Welt träumen.

    Ich freue mich auf eure Rückmeldungen dazu!

    In Liebe,

    Melina

     

  • Banana Bread

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    Meine liebste Gemeinde,

    Ich hoffe es geht euch allen gut und ihr seid gesund und passt gut auf euch und eure Liebsten auf. Die Umstände momentan sind sehr speziell, aber lasst uns das Beste draus machen! Ich habe gestern Abend ein leckereres Bananenbrot gebacken und ihr wolltet unbedingt das Rezept haben, deshalb habe ich es jetzt mal kurz niedergeschrieben. Es ist super easy, die Zubereitung geht mega schnell und der Rest erledigt der Ofen!

    Zutaten:

    • 3 reife Bananen
    • 80ml Öl
    • 2 Eier
    • 200g Dinkelmehl (jedes Mehl möglich)
    • Vanillezucker/Vanillearoma nach Bedarf
    • Zimt nach Bedarf
    • 100g brauner Zucker/Rohrzucker
    • 50ml Mandelmilch
    • Walnüsse
    • 3 TL Backpulver

     

    Zubereitung:

    Die Rezepte die ich meist im Internet finde erfordern das getrennte zubereiten des Teiges mit den unterschiedlichen Zutaten, ich hingehen mixe einfach alles bis auf die Walnüsse zusammen zu einem glatten Teig. Die Bananen zerkleinere ich immer als erstes und mache sie mit einer Gabel zu Brei. Den Teig glatt rühren, in eine gefettete Backform geben und Walnüsse untermischen sowie oben als Topping drauf.

    Der Kuchen geht dann für 60 Minuten in den Ofen, ich nehme immer 180 Grad und Umluft!

    Ich freue mich, wenn er euch genauso gut schmeckt wie mir!

     

    Liebe Grüße,

    eure

     

    yes

     

     

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  • December #12 Pt. I

    Juni 2019, Part II

    „Wer hätte ahnen können, wie dieser Juni verläuft? Ich nicht. Aber naja, doch, irgendwie schon, aber dann doch wieder nicht so. 
    Vegas hat mir gut getan. Claudia hat sich so gut um mich gekümmert, ich hätte mir wirklich kein besseres Ende für mein Auslandssemester vorstellen können.
    Wir haben noch im Mai einen unglaublichen Road-Trip gemacht. Wir waren in unzähligen Nationalparks, an Orten, die ich schon immer sehen wollte und niemals gedacht hätte, dass sich diese Träume 2019 erfüllen würden. Monument Valley. Ein Ort der für mich so magisch ist, an dem ich die Zeit gerne mal 200 Jahre zurück drehen würde um zu schauen, was damals so im Wilden Westen passiert ist. Egal wo hin du schaust, du siehst überall rote, orangene und rotbraune Steine, Monumente und man fängt sofort an zu fantasieren. Plötzlich sieht man keine Autos mehr, sondern wilde Pferde. Im Norden des US-Bundesstaates Arizona liegt das Monument Valley, welches ausschließlich von den Navajo-Indianern verwaltete wird. Das älteste Gestein dieser Region stammt aus einer Zeit von vor etwa 300 Millionen Jahren. 300. Millionen. Jahre. Es sieht eigentlich mehr aus wie ein Ort, der einem Hollywood Film entsprungen ist. Man denkt, man befinde sich in einer Filmkulisse. Als wir dort waren, habe ich mir direkt gewünscht, noch einmal wiederzukommen. Das nächste Mal aber über Nacht. Ich würde so gern dort campen und den Sternenhimmel sehen. Und irgendwann werde ich mir diesen Traum erfüllen.

    Der Road-Trip war relativ kurz und doch haben wir so viel gesehen, sind von Staat zu Staat und von Ort zu Ort gefahren. Sind früh aufgestanden und morgens um 6 durch den Antelope Canyon gewandert, haben unglaubliche Wunder der Natur bestaunt. Wir sind durch den Bryce Canyon gelaufen und wiedermal habe ich mich so klein gefühlt, wenn man vor diesem riesigen Nationalpark steht, Abgründe hinunterschaut, Kilometerweit in die Ferne schauen kann. Von Nevada nach Arizona, nach Utah und wieder nach Arizona und zurück nach Nevada.
    Letzter Stop auf unserer Route war der Zion National Park. An der Grenze zwischen Utah und Arizona befindet sich der 579qm große Park, der wunderschöne Wanderwege und Aussichten zu bieten hat. Natürlich musste es regnen, aber dafür hatten wir all die anderen Tage so viel Glück mit dem Wetter. Wir hatten leider auch keine Regenkleidung, geschweige denn Schuhe dabei, aber das hat uns natürlich nicht davon abgehalten wenigstens EINEN Wanderweg zu laufen und uns die wundervolle Natur dort anzusehen.
    Es hat leider nicht nur ein bisschen geregnet, sondern ziemlich doll. Auf dem Weg nach oben kamen uns Leute entgegen, die meinten wir sollen vorsichtig sein, oder wenn möglich sogar komplett umdrehen. Viele Leute haben die Wanderung abgebrochen. Manchmal muss man aber Dinge riskieren. Und damit meine ich nicht, dass man sinnlos naiv durchs Leben gehen soll, sondern dass man das Risiko abschätzt und sich fragt, ob es nicht trotzdem eine gute Idee sein könnte.
    Es war lustig, der Weg nach oben. Wir sind sehr nass geworden, die Schuhe wurden unendlich dreckig und es war rutschig. Aber die Reise nach oben haben wir trotzdem genossen. Selbst wenn wir hingefallen wären, dann wären wir einfach wieder aufgestanden und weitergegangen. Solche Tage bleiben in Erinnerung und eine Wanderung im Regen vielleicht noch etwas mehr als eine Wanderung im Sonnenschein. Oben angekommen wurden wir mit einer wundervollen Aussicht belohnt, die all den Regen und die nasse Kleidung die mittlerweile an der Haut klebte wieder gut gemacht hat. Nun standen wir dort oben, nass, glücklich und der frische Wind wehte uns um die Ohren. Vor uns die Weiten des Nationalparks, Bäume, Steine, Flüsse, etwas das so langweilig klingt aber zusammen eine unfassbar schöne Szenerie ergibt.
    Ich war die ganzen Tage über sehr glücklich und dankbar, dankbar das alles erleben zu dürfen, aber andererseits war mein Herz auch etwas wehmütig, denn ich wusste, ich würde JJ so schnell nicht wiedersehen.
    Und was, wenn doch? Ich wollte meine Zeit mit Claudia verbringen, denn sie und ich harmonieren so gut und ich habe so viel Spaß mit ihr. Aber andererseits wollte mein Herz zurück nach Portland. JJ und ich sind so gut wie jeden Abend gemeinsam am Telefon eingeschlafen, wir führten quasi einen Fernbeziehung zwischen Portland und Las Vegas. Aber taten wir das wirklich?

    Bis zu diesem Zeitpunkt im Juni hatten wir nicht darüber geredet, „was wir sind“ und das beschäftigte mich mehr als mir lieb war. Ich hatte mir eigentlich schon bei meinem Besuch im Mai vorgenommen ihn zu fragen, aber die Worte wollten einfach nicht aus meinem Mund kommen. So oft lag mir die Frage auf der Zunge, aber ich habe es einfach nicht geschafft es auszusprechen. Die Angst davor, dass er nicht so sehr an uns glaubt wie ich, die war einfach zu groß.

    Wir haben jeden Tag telefoniert und geschrieben. Die Tatsache, dass er Feuerwehrmann für Waldbrände ist und jederzeit den Anruf bekommen konnte „Es geht los, die Feuer Saison beginnt und wir brechen auf nach Nevada“ machte das planen eines neuen Treffens unmöglich. Sollten wir es riskieren? Ich redete mit Claudia und beschloss, es tatsächlich zu riskieren und buchte einen weiteren Flug nach Portland. Und ein Airbnb. Das sollte nun der vierte Besuch bei ihm sein und ich war so unglaublich glücklich, als diese Reise gebucht war. Auch wenn ich im Hinterkopf hatte, dass er vielleicht nicht mehr in Portland sein könnte, wenn mein Flieger ein paar Tage später dort landen sollte. Ich hatte also nochmal die Chance, ihn darauf anzusprechen, ob wir eine Fernbeziehung führen werden oder nicht. Ich musste nur mutig genug sein.
    Die Tage vergingen und ich erlebte noch einiges mit Claudia. Wir haben noch einen kleinen Road-Trip gestartet, diesmal nach Kalifornien in ein Weingebiet um ein Wochenende lang ein Wine Tasting zu machen. Das war so unglaublich lustig und ist definitiv auch eine meiner liebsten Erinnerungen. Ich habe immer wieder gemerkt, wie unendlich dankbar ich war, all das erleben zu dürfen. Ich habe nicht nur viele verschiedene Orte und Staaten gesehen, sondern auch so viele tolle Menschen kennenlernen dürfen.

    Die Tage sind nur so verflogen und es war soweit: auf geht’s zu JJ! Claudia hat mich zum Flughafen gefahren und 3 Stunden später war ich endlich wieder bei ihm. Die Aufregung wurde nie weniger, wenn ich aus dem Flugzeug gestiegen bin, aber die Freude immer größer. Das allerschönste ist es einfach immer wieder in seinen Armen zu sein, der erste Kuss zur Begrüßung, endlich wieder die Möglichkeit zu haben den anderen zu berühren. Dieses Mal hatten wir nicht viel geplant, kein Schnee, kein Camping. Einfach das letzte Mal die Zeit zu zweit genießen. Jeden Tag hätte er auch den Anruf von der Arbeit kriegen können. Zum Glück ist das nicht passiert. Auch ohne Camping und großartige Highlights, war es Highlight genug für mich Zeit mit ihm zu verbringen. Zeit, die wir vielleicht so schnell nicht nochmal bekommen würden. Einen Tag haben wir fast komplett im Bett und auf der Couch verbracht, wir haben uns nur bewegt um eine Pizza und Popcorn zu holen. Wir lagen auf der Couch, haben einen Film geschaut und JJ hat mich mit Popcorn gefüttert. Als es langsam Nachmittag wurde und man merkte, dass die Sonne bald untergehen würde, entschieden wir uns eine Wanderung zu machen. Die Natur in Oregon ist so schön, die ganzen Wälder, Flüsse und Wasserfälle. Die Wanderung war toll, wir haben uns über Gott und die Welt unterhalten und langsam wurde der Tag zum Abend. Danach ging es für uns zu seinen Eltern, wo mich seine Mutter in einer ruhigen Minute fragte, ob wir denn nun ein Paar sind. Ich konnte ihr keine richtige Antwort geben, da ich es ja selbst nicht wusste. Das erinnerte mich auch wieder daran, dass ich ihn das ja eigentlich fragen wollte.
    An einem der Abende, kurz bevor es für mich wieder zurück nach Las Vegas ging, da hat er mir einen Wunsch erfüllt und ist mit mir Bachata tanzen gegangen. Ich habe schon lange niemanden mehr kennengelernt, der mich so akzeptiert hat wie er. Er kann nicht tanzen und doch geht er mit mir tanzen, auch wenn die einzigen Schritte die er gelernt hat von mir stammen, als ich ihm, während wir beide betrunken und halb nackt waren, im April versucht habe Bachata beizubringen.
    Und der Abend wurde wunderschön. Abgesehen von zwei Liedern, die ich mit anderen Männern getanzt habe, weil JJ gerade auf der Toilette war, habe ich die ganze Nacht nur mit ihm getanzt. Ich wette wir sahen total albern aus auf der Tanzfläche, aber ich hatte die Nacht meines Lebens. Wir haben bestimmt 4 Gläser Rum und Cola getrunken und mit jedem Schluck wurden wir ausgelassener und am Ende hat es sich angefühlt, als würden wir sogar richtig gut Bachata zusammen tanzen, obwohl ich weiß, dass das natürlich nicht sein kann. In diesem Moment habe ich nicht daran gedacht, dass wir uns bald schon wieder verabschieden müssen, ich habe einfach gelebt und geliebt und keine Sekunde daran verschwendet ans Morgen zu denken. Als wir in unser Airbnb zurückgekommen sind, haben wir uns schon beim Betreten wild knutschend in den Armen gelegen. Die Eingangstür führte direkt ins Wohnzimmer, welches auch eine kleine Küche beinhaltete. Er hob mich auf die Arbeitsplatte und küsste mich weiter, während ich meine Beine um ihn geschlungen hatte. Was wir zu dem Zeitpunkt nicht bemerkten, sahen wir dann allerdings am nächsten Morgen. In der Höhe meines Kopfes, als ich auf der Arbeitsplatte saß, war einige Deko an die Wand angebracht, die nun aber nicht mehr auf dem Wandregal in der Küche stand, sondern überall verteilt auf dem Boden lag.

    Nachdem wir die Wohnung wiederhergerichtet hatten und mein Koffer gepackt war, ging es für uns als letzten Stop in die Bar, in die wir immer gingen, nachdem er mich vom Flughafen abholte und bevor es für mich wieder Zeit war zu gehen. Die Bar heißt bei uns der „Airport Spot“, auch wenn es nicht wirklich in der Nähe vom Flughafen ist. Am Anfang jedes Trips sind wir froh wieder da zu sein und am Ende, da wollen wir nie zum Flughafen aufbrechen. Ich habe wirklich versucht bis zur letzten Minute zu warten, damit ich am Flughafen direkt in den Flieger kann und ich dort meine Zeit nicht mit Warten verschwende, sondern sie mit JJ nutze. Aber irgendwann half nichts mehr, weil sonst hätte ich den Flug wohlmöglich verpasst. Wir sind Richtung Flughafen gefahren und mir ist bewusst geworden, dass ich ihn weder gefragt habe, noch wissen wir, wann wir uns Wiedersehen. Irgendwann nach der Feuersaison im Oktober vielleicht. Es ist gerade mal Juni, wie soll ich das aushalten?
    Im Auto auf dem Weg zum Flughafen habe ich nicht mehr viel geredet. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Er wusste es auch nicht. Und dann waren wir auf der langen Straße, an deren Ende ich den Flughafen sehen konnte.
    Ich habe zu ihm gesagt: “Weißt du was, wenn du nicht willst, dass ich gehe, dann dreh einfach um. Dann buche ich halt einen neuen Flug.“
    Er hat mich ganz ungläubig angeschaut. „Ich meine es ernst, es liegt jetzt in deiner Hand. Wenn du zum Terminal fährst, dann fliege ich, wenn du umdrehst, bleibe ich.“
    Nachdem ich es ausgesprochen hatte, bemerkte ich erst, was ich da eigentlich gesagt hatte.
    Und er hatte seine Entscheidung längst getroffen.

     

  • December #11

    Juni 2019 Part I

    „Ich kann einfach nicht glauben, dass das Auslandssemester vorbei ist. Vor zwei Wochen bin ich aus dem Wohnheim ausgezogen, ich habe mein Leben wieder in einen Koffer gepackt und neue Freunde und Bekanntschaften zurück gelassen. Man hat sich ein neues  Leben aufgebaut in den letzten fünf Monaten und gerade, wenn man sich so richtig eingelebt hat und man sich in der neuen Umgebung auskennt und beginnt richtig zu LEBEN, dann muss man seine Sachen packen und gehen. Der 21. Mai war nicht einfach für mich, so viele Abschiede. Wann seh ich all die Menschen wieder, die ich so in mein Herz geschlossen habe, wann komme ich zurück nach Los Angeles? Zugegeben, ich war nie der größte Fan von Los Angeles und ich bin es immer noch nicht, aber die Stadt war für fünf Monate mein zuhause, ein Ort an dem ich mich auch tatsächlich zuhause gefühlt habe und ein Ort, an dem ich mich weiterentwickelt habe und gewachsen bin. Und diesen Ort habe ich nun hinter mir gelassen. Zum Glück ist meine Reise noch nicht ganz zu Ende und ich bin nur einen Staat weiter, nach Las Vegas, Nevada, gezogen. Aber auch hier ist meine Zeit begrenzt und Ende Juni bin ich wieder in Deutschland. Manchmal frage ich mich, weshalb ich mich überhaupt so wohl in den USA fühle und ich kann nicht mal einen genauen Grund nennen. Es fühlt sich einfach richtig an. Nicht einmal hatte ich Heimweh. Ich weiß, wo ich herkomme und ich liebe Berlin und mein Leben dort, aber genauso liebe ich mein Leben in Amerika. Ich habe oft meine Freunde und meine Familie vermisst, aber nie habe ich nachts wach gelegen und mich nach Deutschland gesehnt oder nach meinem Bett in Berlin. Ich habe nachts wachgelegen und mich gefragt, wie ich meine Zeit noch intensiver genießen kann und wie es mir wohl gehen wird, wenn ich wieder zurück nach Deutschland muss. Aber erstmal schau ich nun nach vorn, denn ich habe noch einen knappen Monat in Las Vegas vor mir. Der Umzug von Los Angeles nach Las Vegas fiel mir nicht leicht, auch wenn ich mich sehr auf Vegas und Claudia gefreut habe. Ich musste mein Zimmer im Studentenwohnheim räumen, das Zimmer in dem ich all die Monate gewohnt habe und was wirklich wie ein kleines Zuhause für mich war, ein Rückzugsort und ein Ort, den ich lieben gelernt habe, wenn der Anfang auch ziemlich holprig war. Am liebsten hätte ich alles mit nach Deutschland genommen. Mein Geschirr, meinen Wasserkocher, meine Kleiderbügel und meine Deko. Aber das geht leider nicht. Das mag komisch klingen, aber ich musste mich von so vielen Dingen trennen, die so viele neue Erinnerungen geschaffen haben. Einige Kleidungsstücke mussten nun schon in Los Angeles zurückbleiben. Vieles konnte ich verschenken. 
    So verloren wie ich am Anfang des Semesters war, so vertraut war nun alles am Ende. Ich habe mich nicht mehr verlaufen, ich kenne mich jetzt aus. Und ich wünschte, ich könnte die Zeit zurück drehen und alles nochmal erleben. Fremde, die zu Freunden wurden. So viel erlebt, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll zu erzählen. Gelacht,  geweint, geflucht, geliebt, gelebt. So viele Emotionen die hochgekommen sind, als ich im Bus von LA nach Las Vegas saß, als ich das letzte mal am Hollywood Sign vorbeigefahren bin und krampfhaft nach einer neuen Packung Taschentüchern gesucht habe. Los Angeles ist nicht nur Stars und Sternchen und wenn man kein Millionär ist auch nicht so fancy, wie man es im Fernsehen sieht. Aber wenn man dort lebt, dann lernt man nochmal eine andere Seite der Stadt kennen. Man lernt die Menschen dort kennen. Und ich würde immer wieder nach Los Angeles zurückkommen. Nicht wegen der Stadt an sich, sondern wegen den Menschen, die diese Zeit so besonders gemacht haben. Ich weiß, von nun an wird es für mich immer einen Grund geben, einen Flug nach LA zu buchen. Und ich würde immer wieder mit offenen Armen empfangen werden. Es würde immer jemand am Flughafen warten und mich mit offenen Armen begrüßen. Es tut gut zu wissen, dass ich immer ein „Home away from home“ haben werde und dass ich immer einen Stück LA in meinem Herzen mit mir tragen werde. 
    Jetzt sitze ich hier, in Las Vegas, schaut man aus dem Fenster sieht es aus wie eine andere Welt. Wüste, kein Meer, nicht so viele Palmen. Ich liebe Las Vegas, aber die Umstellung ist größer als ich dachte. Plötzlich habe ich keinen Unterricht mehr, aber auch keine Zimmernachbarin. Ich schlafe wieder alleine, wo sind die ganzen Menschen?
    Es kommt mir vor wie meckern auf hohem Niveau – und ich würde es eigentlich auch nicht meckern nennen – es ist nur so anders! Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und nun muss ich mich daran gewöhnen, dass dieser Lebensabschnitt vorbei ist. Es mag vielleicht vorbei sein, aber die Erinnerungen werden immer in mir Leben. Diese Erinnerungen und Erlebnisse haben mich verändert und ich bin so froh, dass ich all das erleben durfte. Ein Auslandssemester, das war immer mein Traum. Und ich habe es getan. Es war die beste Zeit meines Lebens. Ich werde mich für immer daran erinnern wie es war, wenn ich an einem Unitag aus dem Gebäude kam, die Sonne schien, ich auf das Gelände mit all den Palmen blickte und zu meinem Fahrrad ging. Dann bin ich im schönsten Sonnenschein zur meinen Klassenraum gefahren, Musik in den Ohren, mit den Gedanken schon beim planen des Wochenendes. Das sind Dinge, die vergisst man nicht so schnell. Das war der Alltag, aber die Kleinigkeiten des Alltags sind die Dinge, die das Leben lebenswert machen.

    Nun habe ich noch drei Wochen in Las Vegas und die werde ich genießen. Bis ich in den Flieger steigen muss und es diesmal ein Abschied für längere Zeit wird. Aber bis dahin hab ich noch Zeit. Und diese Zeit gilt es zu nutzen!“

  • Gesunde Waffeln

    Liebe Gemeinde,

    heute habe ich für euch ein gesundes Waffelrezept! Super easy, wenn ihr möchtet sogar vegan! Ich möchte euch auch gar nicht lange vollquatschen, denn schließlich seid ihr für das Waffelrezept hier!

    Zutaten für 6 Waffeln:

    • eine reife Banane (ca. 100g)
    • 300ml Hafermilch (jede andere Milch funktioniert auch)
    • 200g Vollkornmehl
    • optional, aber nicht notwendig 1 Ei
    • 2 TL Backpulver
    • optional, wer eine extra Dosis Protein mag: 20g Proteinpulver hinzufügen

     

    Zubereitung:

    Alle Zutaten vermengen und zu einem glatten Teig verarbeiten. Das Waffeleisen SEHR GUT einfetten! Das ist mit das wichtigste am ganzen Rezept. ÖLT EUER WAFFELEISEN. Ansonsten klebt euch der ganze Mist fest und ihr steht erstmal eine halbe Stunde in der Küche und kratzt die Waffelreste vom Eisen. Trust me.

    Ich verzehre die Waffeln gern mit etwas Joghurt, Früchten und/oder Mandelmus.

    Lasst es mich gern wissen, wenn ihr das Rezept testet und verlinkt mich gern in eurer Instagram Story, ich teile sowas super gern!

    Grüße gehen raus an euch, meine liebe Gemeinde!

    Eure

    yes

     

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  • December #10

    Mai 2019 Part II

    „Der Road Trip Anfang Mai war erst der Anfang. Ich wusste, was mir für ein aufregender Monat bevorstand und doch konnte ich es nicht ganz glauben. Der Mai ist nun, wo ich das gerade schreibe, schon lange vorbei. Doch trotzdem möchte ich den Rest zu Papier bringen. Irgendwie habe ich Angst, dass ich irgendwann all das vergesse. Je mehr Erinnerungen dazu kommen, desto mehr fürchte ich das Verblassen von alten Erinnerungen. Was hilft da besser, als sich alles von der Seele zu schreiben?
    Am 8. Mai habe ich wieder einmal meine Koffer gepackt, um JJ ein letztes Mal in Portland zu besuchen. Ein letztes Mal, bevor es dann im Juni wieder zurück nach Deutschland geht. Dieses Mal haben wir etwas anderes vor. Wir gehen campen. Wir haben nichts geplant, wir wissen nicht wohin, aber als ich aus dem Flieger steige und nach draußen zu seinem Auto laufe, sehe ich den großen Wagen gefüllt mit Luftmatratze, Essen, Zelt, Bier, einem Grill und jeglichen anderen Dingen die man zum Campen gebrauchen könnte und weiß, egal wohin er mich entführt, es wird wunderbar. Auf dem Beifahrersitz liegen meine Lieblingsdonuts, es läuft unser Song und er hat mein liebstes Bier „Blue Moon“ zusammen mit einer Orange oben drauf im Getränkehalter für mich stehen. Er erzählt mir wo wir ungefähr hinfahren – mir ist es sowieso egal, weil ich mich nicht auskenne – und somit fahren wir einfach los, obwohl es nach Mitternacht und schon stockfinster ist. Wir fahren und fahren und fahren. Mindestens 2 Stunden. Wir sind schon lange raus aus der Stadt, als ich, wie sollte es auch anders sein, Pipi muss. Er hält an und wir steigen beide aus, als ich nach oben in den Himmel schaue und die Millionen von Sternen sehe. Ich glaube, ich habe in meinem Leben noch nie so viele Sterne gesehen. Ich sage zu ihm, er solle sich unbedingt den Himmel anschauen, als er ums Auto rumläuft und zu mir kommt. Dann küsst er mich und drückt mich sanft gegen das Auto. Und in diesem Moment fühlt es sich zum ersten Mal so an, als würde die Zeit stehen bleiben. Und es fühlt sich auch so an, als würden wir Stunden dort stehen und uns küssen, auch wenn es vielleicht nur ein paar Sekunden sind. Und in diesem Moment wird mir zum ersten Mal das Ausmaß der ganzen Situation bewusst. Ich brauche mir nicht länger vormachen, dass ich nur „ein bisschen“ verknallt bin. Das ist mehr als nur ein bisschen und es wird auch sehr viel mehr weh tun als nur „ein bisschen“, wenn ich in 1 ½ Monaten wieder nach Deutschland muss.
    Als wir weiterfahren, kommen wir ungefähr eine halbe Stunde später am Meer an. Die erste Nacht, haben wir beschlossen, verbringen wir dort. Es ist nicht erlaubt einfach irgendwo zu campen, aber sonst wäre es ja auch langweilig, oder?
    Es ist nur leider nicht so einfach, einen Zugang zum Meer zu finden, der nicht bewacht oder bewohnt ist, ohne Häuser drum herum oder sonstiges. Eine Zufahrt finden wir jedoch, es steht zwar ein Schild, dass Campen und Autos dort nicht erlaubt sind, aber er fährt trotzdem rein. Ich habe absolut null Plan wo ich bin, ich habe vergessen meinen Ersatzakku zu laden und Empfang habe ich auch keinen. Es ist dunkel, stockdunkel, ich bin irgendwo am Meer in Oregon und plötzlich passiert es und er bleibt mit den Reifen im Sand stecken. Nun gut, dann soll es wohl so sein. Etwas weiter entfernt sind ein paar kleine Häuschen und ein Wohnmobil, aber die sind weit genug entfernt, dass sie uns zumindest noch nicht bemerken werden. JJ kümmert sich darum die Matratze aufzublasen, ich stehe eigentlich einfach nur im Sand und starre wieder in den Himmel. Die Sterne haben sich gefühlt nochmal verdoppelt. Als unser „Bett“ aufgebaut ist entschließen wir uns heute Nacht ohne Zelt und nur auf der Matratze zu schlafen. Er stellt die Musikbox neben die Matratze, macht leise Country Musik an und gießt uns in unsere Becher etwas Rum und Cola. Dann küsst er mich endlich wieder und alles was ich mir wünsche, ist dass diese Nacht niemals enden wird.
    Und so verbringen wir die Nacht am Meer. Irgendwann gegen halb fünf schlafen wir ein. Ich werde ab und zu kurz wach, als die Sonne anfängt aufzugehen und uns gnadenlos ins Gesicht scheint. Irgendwann zieht JJ einfach die Decke über unsere Köpfe und so schlafen wir noch etwas weiter. Gegen 8 ist die Nacht allerdings vorbei, weil ich mit einem Stock in die Rippen gepiekt werde. „GOOD MORNING! HELLO? WAKE UP.“ Diese Stimme kenne ich nicht. Ich bleibe einfach unter der Decke. JJ streckt seinen Kopf zuerst hervor. Ich traue mich nicht zu schauen, vielleicht ist es ja die Polizei? Zum Glück ist sie das nicht, sondern nur eine Anwohnerin, die uns bittet den Strand zu verlassen, da wir sonst 1000$ Strafe zahlen müssen. Also bauen wir unser Lager ab und fahren weiter.
    Erst wird gefrühstückt in einem winzigen Lokal und dann geht es weiter nach einem neuen Quartier für die Nacht suchen. Es wird diesmal tatsächlich ein offizieller Campingplatz, wir bezahlen brav Eintritt und machen es uns gemütlich. Der Campingplatz liegt ebenfalls direkt an einem Strand, der ist aber gut besucht und Privatsphäre hat man hier nicht wirklich. Wir verbringen den Tag indem wir uns von einem Gespräch ins nächste Reden, Bier trinken, ein Lagerfeuer und S’mores machen, schwimmen gehen im eiskalten pazifischen Ozean und am Strand einen Mittagsschlaf machen. Es gibt keinen Menschen auf der Welt, der mich mein Handy so vergessen lässt wie JJ. Es ist unglaublich. Wir können uns stundenlang unterhalten und ich bin weder gelangweilt noch vermisse ich mein Telefon. Wie oft ich mir gewünscht habe ich könnte einfach die Zeit anhalten.
    Jeden Abend dachte ich, es könnte nicht schöner sein. Jeder darauffolgende Abend hat mir gezeigt, dass es doch noch schöner geht. Nach der Nacht auf dem offiziellen Campingplatz wollte JJ nun aber endlich einfach IRGENDWO campen. Ich hatte ja immer noch die Hoffnung, dass er einen nicht ganz so abgelegenen Platz aussuchen würde, da meine Angst vor Bären und Wölfen ziemlich real ist. Tja, es wäre kein Abenteuer, wenn wir nicht doch irgendwo im nirgendwo gelandet wären. Die Erinnerungen an den Campingtrip werden mich für immer glücklich machen. Am dritten Tag campen wir also mitten auf einer Lichtung in einem Wald und das auf einem Berg. Gefunden haben wir diese Stelle nur, weil JJ gern in abgelegene Wege reinfährt und schaut wo sie hinführen. Ich habe definitiv zu viele Horrorfilme aus den USA gesehen und befürchte natürlich, dass wir entweder von Wölfen gefressen oder von einem Serienkiller heimgesucht werden. Nichts dergleichen ist passiert. Aber die Befürchtung war ab und zu doch da. Wir sehen jeden Abend die schönsten Sonnenuntergänge und sobald die Sonne untergegangen ist, ist das einzige Licht das Feuer, welches JJ aus gesammeltem Holz gemacht hat.
    Alles fühlt sich so einfach an. So leicht. Niemand weiß wo wir sind, wir wissen es ja selbst nicht mal genau. Wir haben beide keinen Empfang und selbst wenn wir welchen hätten, wären wir nicht am Handy. Wir küssen stundenlang, kriegen nicht genug voneinander und ich kann nicht aufhören zu grinsen. Er spürt das natürlich während er mich küsst und fängt selbst an zu lächeln. Das Wort „perfekt“ nutze ich nicht oft, aber wenn etwas perfekt ist, dann diese Momente mit ihm.
    Keine Bilder und Videos können das festhalten. Nicht im Entferntesten. Das sind Erinnerungen, die uns beiden gehören. Die nur wir kennen, die niemals jemand anders so erleben wird und die egal wie sehr ich es versuche, ich nie jemandem so beschreiben könnte wie es war. Nachts im Zelt, wenn das Feuer aus und das einzig helle das Leuchten der Sterne war, dann hab‘ ich mich sicher gefühlt, weil JJ so laut schnarcht, dass sich kein Bär und kein Wolf auch nur an das Zelt ran getraut hätte. Ich hätte mir selbst übrigens auch nicht zugetraut, dass ich mal irgendwo campe, wo es keine Toilette oder irgendeine Form von Steckdosen gibt.

    Der nächste und letzte Campingtag/nacht sollte mir dann wieder mal zeigen, dass es doch immer noch schöner geht. Ganz oben. Ganz, ganz oben auf einem Berg, mit Blick über Wälder und Flüsse, genau dort schlafen wir in der letzten Nacht. Als wir ankommen ist noch strahlender Sonnenschein und wir bauen das Zelt auf, machen ein Feuer an und trinken das erste Bier. JJ spielt immer wieder einen bestimmten Song, schon die ganzen letzten Tage und ich möchte unbedingt wissen wie er heißt. Als ich ihn frage, ihm aber nicht sagen kann worum es in dem Lied geht, sagt er, ich soll Bescheid sagen, wenn ich es wieder höre. Wir hören jeden Tag und jede Sekunde Country Musik. Es dauert keine 20 Minuten, da läuft der Song wieder und von dieser Sekunde an ist das auch das einzige Lied was wir hören, bis beide Handys von uns komplett leer sind und die Musik komplett verstummt. Als ich das Lied wieder höre, sage ich zu ihm „DAS IST ES!“ und er freut sich darüber, wie sehr ich das Lied mag. Er küsst mich, drückt mich (wieder mal) gegen das Auto und wir küssen uns das komplette Lied durch. Es ist so warm an diesem Tag, die Sonne brennt auf der Haut und die Tatsache, dass er mich immer näher an sich drückt und unsere Küsse immer leidenschaftlicher werden macht es noch wärmer. Dieser Tag ist für mich einer der schönsten, wenn nicht sogar der schönste in 2019. Alles ist perfekt. Der Berg, der Campingspot, der Sonnenuntergang, die Zweisamkeit, seine Küsse und Berührungen, unsere Gespräche. Ich konnte nicht anders, ich musste mich einfach verlieben. Ich hatte gar keine Wahl. Es ist einfach so passiert, als ich es am wenigsten wollte. Aber er hat mir keine Wahl gelassen, er hat mich in seinen Bann gezogen. Mit seiner Leichtigkeit, mit der Lebenslust und mit diesen wundervollen Momenten die er mir beschert hat und die mich so unglaublich glücklich gemacht haben, so ein Gefühl von Glück was ich vorher noch nie gespürt habe.
    Und das genau das sind die Gründe, weshalb ich diesmal beim Abschied so sehr geweint habe. Ich wollte nicht, dass unserer gemeinsame Zeit vorbei ist. Nach dem Campingtrip ging es zwar noch für 3 Tage in ein AirBnb und zu seiner Familie, aber meine Angst ihn nie wieder zu sehen war größer als je zuvor.
    Der letzte Abend.
    Ich packe meinen Koffer, JJ liegt im Bett. Plötzlich springt er auf und geht ins Badezimmer. Er kommt wieder raus, hat aber plötzlich ein anderes Shirt an. Er kommt zu mir, kniet vor mir nieder und sagt: “Wenn du möchtest, dann kannst du mein Lieblingsshirt mitnehmen und ich borge es dir, bis ich dich in Deutschland besuchen komme.“

    Der nächste Morgen.
    Wir sind am Flughafen, ich kann mich noch gut zusammenreißen. Wir verabschieden uns, wissen beide, dass wir uns so wie es aussieht erst in Deutschland wiedersehen werden. Wenn das überhaupt passiert. Wer weiß das schon? Ich nicht. 
    Kaum ist er gegangen und ich stehe in der Schlange, kommen mir die Tränen. Ich will nicht gehen! Ich schreibe ihm „Can you come back for another kiss please?” Und zwei Minuten später steht sein Auto wieder im Halteverbot und wir haben nochmal zwei Minuten um uns zu küssen und zu verabschieden.
    Dann muss ich wirklich los, und als ich diesmal in der Schlange zum Check-In stehe, breche ich richtig in Tränen aus.
    Und die einzige Frage die ich mir stelle ist:
    Wann sehen wir uns wieder?“

  • December #9

    Mai 2019 Part I

    „Gesagt, getan. Mein Rückflug ist nicht länger am 21.5., sondern am 27.6. Die einzige Reaktion von Esra darauf war:“Ich wusste es. Das ist typisch du!“. Meine Mutter hat es auch nicht verwundert. Ich kann wieder ein bisschen durchatmen, weil ich weiß, dass ich nun noch über einen Monat länger hier habe.
    Die letzten Tage sind auch wieder so schnell verflogen und waren ein absoluter Traum. Ein Roadtrip durch Kalifornien mit Julie. Stundenlang saßen wir im Auto. Und am Ende des Tages war man immer noch im gleichen Staat. Ich werde niemals dieses Gefühl vergessen, auf den leeren Straßen, wo du stundenlang niemandem begegnest. Es ist heiß, so heiß, dass man ohne Klimaanlage umkommt. Wir haben uns mit dem Fahren abgewechselt. Und es heißt nicht umsonst Death Valley. Ohne Wasser hat man das Gefühl zu vertrocknen, sobald man das klimatisierte Auto verlässt. Wir haben sooo viel gesehen. Den Joshua Tree National Park, Santa Barbara, Santa Maria und so viele kleine Städte dazwischen. Dieser Trip war pure Freiheit. Wir hatten nichts gebucht, außer das Auto. Die Koffer im Gepäck haben wir uns am Samstagmorgen auf den Weg gemacht. Ich war die Nacht davor tanzen, hatte vielleicht maximal zwei Stunden Schlaf. Doch die Vorfreude war so groß, dass ich gar nicht müde sein konnte. Das war einfach immer mein Traum. Einfach losfahren, schauen wie weit man kommt, spontan ein Motel buchen. Ich bin nich wirklich anspruchsvoll was Hotels auf so einem Trip angeht und das erleichtert Spontanität. Palm Springs war der erste Stop, mein zweites Mal an diesem Ort und noch immer faszinieren mich die hohen Palmen, die Berge und die Windmühlen. Nicht weit von Palm Springs liegt der Joshua Tree Park, was unser nächster Stop war, der bei Sonnenuntergang sicher noch schöner ist, als tagsüber in brütender Hitze. Es war trotzdem so eindrucksvoll nun endlich mal live dort zu sein. Als wir einmal durch den Park gefahren sind, ging es weiter durch einen Ort namens Twentynine Palms. Und diese kleinen Orte sehen einfach aus wie im Film. Ich dachte mir so oft „Das kann doch nicht echt sein, das ist eine Kulisse!“. Mitten on the road machten wir einen Stop und all die Zeit, die wir außerhalb des Autos verbrachten, kam niemand an uns vorbei. Wie ausgestorben. Die Nacht haben wir in Ridgecrest verbracht. Am nächsten Tag ging es dann ins Death Valley und das war mit einer der beeindruckendsten Orte, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Die Natur ist der absolute Wahnsinn, unsere Erde hat so viele magische Orte zu bieten! Ich kam aus dem Staunen (und dem Schwitzen) nicht mehr raus und die unglaubliche Weite der USA fasziniert mich jedes mal aufs neue. Allein der Weg zum Death Valley ist eine Reise für sich. Noch nie habe ich so eine Geisterstadt gesehen wie Trona. Man hat dort kein Netz, du siehst niemanden auf der Straße und fährst stundenlang ohne Empfang. Diesen Tag werde ich nie vergessen. Es gab nichts, außer die Straßen und uns. Keine Fotos, keine Videos, konnten das festhalten was wir mit unseren Augen gesehen habe. Die Mojave Wüste. Die unendliche Weite, über die ich nicht aufhören kann zu reden, weil es mich so fasziniert. Das sind Momente, die speicherst du dir. Und wann immer du daran zurück denkst, wärmen sie dein Herz und geben dir das Gefühl von Freiheit zurück.
    Die Nacht haben wir in Bakersfield verbracht und am nächsten Tag waren wir dann noch in Santa Maria und Santa Barbara, bevor es dann in den Abendstunden zurück nach Los Angeles ging. Wir haben so viel gesehen. Sonnenuntergänge. Gebirge. Wüste. Strände. Das Meer. Kilometerlange Straßen, die einfach nur geradeaus führen, kein Ende in Sicht. Dieses Wochenende war so besonders, so magisch, so einfach. Wir haben viel gelacht, stundenlang geredet über Gott und die Welt, aber auch viel geschwiegen, ohne dass es komisch war und wir haben uns perfekt ergänzt, was das Fahren und Buchen der Hotels anging. Es ist so viel wert Freunde zu haben, mit denen man verreisen kann. Und das kann man gewiss nicht mit jedem. Gemeinsam reisen verbindet und diese Zeit kann uns niemand mehr nehmen. Julie kommt aus Norwegen, ich aus Deutschland. Wir haben uns nicht ausgesucht zusammen zu wohnen, aber es ist so gekommen und das Schicksal meinte es gut mit uns, denn für mich hätte es keine bessere Zimmerpartnerin als sie geben können. Wir sprechen nicht die gleiche Muttersprache, aber das ist auch nicht nötig. Ich verstehe langsam, wieso uns die Mitarbeiter vom International Office unserer Uni hier gesagt haben, dass wir UNBEDINGT die freie Zeit neben dem Unterricht nutzen sollen, um Kalifornien und Amerika zu erkunden. Es gibt so viel zu entdecken und jeder Ausflug, jeder Roadtrip, bereichert einen um so vieles. Das sind Erinnerungen, die wir unser Leben lang nicht vergessen werden.“

  • December #8

    April 2019 Part II

    „Jeder Abschied wird schwerer. Wo hab ich mich da selber wieder reingeritten? Ich höre die Stimme meiner Freunde quasi vor mir: Melina, kannst du dir nicht einmal was einfaches suchen? Einen Typen, der vielleicht nicht am anderen Ende der Welt wohnt? 
    Tja, man sucht sich das leider nicht aus. Und schon beim ersten Abschied habe ich gemerkt, wie es sich anfühlt, wenn man jemanden WIRKLICH vermisst. Wenn da wirklich etwas ist. Und jetzt nach dem zweiten Mal noch viel mehr. Ich bin aus Portland zurückgekommen mit so vielen neuen Erinnerungen in der Tasche. Keine Erinnerungen auf dem Handy, vielleicht 10 Fotos in den Tagen gemacht, das war’s. Das Handy vielleicht 2 oder 3 mal geladen. Mehr nicht. Krass, dass ich jemandem auf diesem Planeten begegnet bin, der mich mein Telefon und alles andere um mich herum vergessen lässt. Wenn wir zusammen sind, dann brauche ich nichts anderes. Außer vielleicht Country Musik. Und ein Bier. Seit wann trinke ich eigentlich so gerne Bier? Es war die beste Entscheidung zurück zu gehen. Ich hab vielleicht einen Tag Uni dafür geschwänzt und das sollte man eher nicht machen, aber das war es wert. Am Ende hat er auch seine Arbeit geschwänzt. Es war so komisch, plötzlich saß ich bei ihm im Restaurant, genau da, wo Kevin und ich ihn im Februar 2018 das erste und einzige Mal gesehen und kennengelernt haben. Und etwas über ein Jahr später, sitze ich wieder da und diesmal ist alles anders. Wieder einmal wurde mir bewusst, dass das nicht passiert wäre, wenn ich nach New York City gegangen wäre. Wieder einmal wird mir bewusst, dass das Leben seine eigenen Pläne mit einem vorhat. Dieses mal habe ich seine Familie noch näher kennengelernt und dann gab es da diese etwas unangenehme Situation. Seine Mutter und seine Tante wollten mit uns Essen gehen. So saßen wir also den beiden gegenüber und seine Tante fragt:“Und, was ist nun mit euch? Seid ihr Zusammen? Wird es eine Fernbeziehung?“ Sie hat es mit einem Lachen gesagt und trotzdem hätte ich mich fast an meinem Getränk verschluckt, weil ich mit so einer direkten Frage nicht gerechnet habe. Ja, was sind wir? Darüber haben wir nicht geredet und bis jetzt war auch der Bedarf nicht da. Ich dachte, wir lassen das so auf uns zukommen. Nach dem ersten Trip, hätte ich ja niemals damit gerechnet, dass ich nichtmal einen Monat später wieder auf dem Weg zu ihm bin. Was sind wir? Ich habe nichts geantwortet, dachte mir, das überlassen wir mal dem Herrn. Und seine Antwort war:“Ich weiß nicht, wir lernen uns ja gerade erst kennen. Mal sehen. Wir verbringen gerne Zeit miteinander.“ Ok, unangenehme Situation war beendet. 
    Es kam schon einige Male in meinem Leben vor, dass ich dachte, „Man, jetzt bin ich aber so verknallt, so war’s noch nie.“ Und diesmal denk ich mir, alles zuvor war NICHTS gegen das, was ich fühle, wenn ich mit ihm bin. Ich selbst komm‘ mir schon ziemlich doof vor, weil ich bin eigentlich echt niemand, der einen auf Superromantikerin und Lovestory macht. Aber das fühlt sich so an. Wie eine richtige Lovestory. Und ich genieße jede Sekunde davon. Nach meinem letzten Besuch bei ihm telefonieren wir so gut wie jeden Tag und wenn er mal nicht anruft, dann ertappe ich mich dabei, wie ich hoffnungsvoll auf einen Anruf warte. Eigentlich telefoniere ich nicht gerne, er hat das geändert. Es gibt niemandem, mit dem ich lieber telefoniere als mit ihm. Und obwohl ich mir ein Zimmer teile, sind wir sogar schonmal am Telefon zusammen eingeschlafen. Ich bin extra zum Telefonieren auf den Flur gegangen, da Julie schon geschlafen hat. Er wollte aber auch nicht auflegen, irgendwann ist er dann eingeschlafen. Hab gewartet, bis ich mir sicher war, dass er schläft und bin mit Kopfhörern wieder ins Bett. Durch die Kopfhörer konnte ich mein Telefon nicht laden, das heißt, ich konnte keinen Wecker stellen und auch hieß es, kein Handy am nächsten Tag. Und sogar das war mir egal. Unterricht hatte ich nicht vor Mittags. 
    Verrückt, wie das Leben so spielt. Manchmal ändern sich Pläne so schnell und Menschen verschwinden so schnell wieder aus deinem Leben, wie sie gekommen sind. 
    Genau so einen Moment gab es bei mir und nun sitze ich bei Claudia in Las Vegas, anstatt auf einem Bachata Festival zu unterrichten. Eins kam zum anderen und ich bin keine Sekunde sauer darüber, wie es gelaufen ist. Die Flüge wollte ich nicht verstreichen lassen, als klar wurde, dass ich nicht Teil des Bachata Festivals sein werde. Hallo? Flüge nach Vegas? Verfallen lassen? Niemals. Und nun hat sich die Chance ergeben, dass ich vielleicht auch nach dem Semester noch länger bei Claudia bleiben kann. Das wäre nicht so, wenn ich auf dem Festival gewesen wäre. Und wenn ich doch unterrichtet hätte, dann hätte ich auch am zweiten Mai Wochenende in Reno, Nevada unterrichtet. Stattdessen habe ich wieder einen Flug nach Portland gebucht. Die letzte Chance ihn zu sehen. Dann ist er erstmal weg. Bin dankbar dafür, dass alles immer einen Sinn hat. Auch wenn man’s vielleicht erstmal gar nicht wahrhaben möchte. Den Sinn gibt es. Und früher oder später wird man ihn erkennen. „